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Das größte Puzzle der Welt.

Beginnen möchte ich diesen Artikel mit einem Nachrichtenartikel aus den letzten Wochen: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,728072,00.html

Wir hatten ja so ein Glück. Wir waren wohl ein paar der letzten Besucher, die Borobudur vor dem Merapi-Ausbruch besichtigen konnten. Die buddhistische Tempelanlage gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Nach der Entdeckung durch Sir Stamford Raffles unter verwachsenem Dschungel wurde sie gesäubert und wiederaufgebaut. Dabei musste Stein für Stein ALLES abgetragen und wieder aufgebaut werden, da sich der Untergrund absenkte. Nachdem ein stabiler Sockel errichtet war, wurde alles wieder zusammen-gepuzzlet!!! Stein für Stein. Die Steine wurden dabei nummeriert, um sie wieder richtig zusammensetzen zu können. Trotzdem waren einige nicht mehr zuordenbar und blieben übrig… Kaum war alles restauriert, wurde die Anlage von islamischen Separatisten gebombt. Natürlich wurde auch hier wieder alles aufgebaut – um im Oktober 2010 wieder unter eine cm-dicken Ascheschicht zu verschwinden…

Die Tempelanlage ist einfach nur ÜBERWÄLTIGEND. Man kann das gar nicht beschreiben, es ist auch nicht vergleichbar mit Prambanan. Die Stimmung in der Früh, die leichten Nebelschwaden, die Buddhastatuen, die glockenförmigen Bauten,… Der Besuch ist ein faszinierendes Erlebnis, das man irgendwie versucht, in hunderten Fotos festzuhalten. Das Gefühl, zwischen den alten Steinen zu stehen – vor allem mit der Puzzle-Geschichte im Hintergrund – kann dadurch aber nur eingeschränkt vermittelt werden. Ein Must-See für jeden Indonesien-Besucher!

 

Asiatischer Regen

Wer schon einmal asiatischen Regen erlebt hat, weiß wovon ich in den nächsten Zeilen spreche. Allen anderen sei gesagt: Es ist alles andere als normal und bevor man live dabei war kann man es sich eh nicht vorstellen. Aber erst einmal zurück zur Story:

Nach Markt, Batik und netten Javanesen war der Palast von Yogya schon geschlossen. Also Spontanentscheidung: Wir fahren gleich am ersten Tag nach Prambanan. Trotz einsetzendem Regen, war ja schließlich ein Stück Fahrt und so. Also rein in den Bus, die Nummer hatten wir ja vom Lehrer. Modern, pünktlich, sauber,…das Bussystem in Yogya ist eigentlich wirklich nicht asiatisch. Eine dreiviertel Stunde hat die Fahrt gedauert, oder so. Asiatische Verhältnisse waren es IM Bus dann doch wieder – asiatisch gedrängte Verhältnisse. Aber eine dreiviertel Stunde lang geht das ja. Leider wird der Regen mehr und mehr und mehr, und die Straße ZUM Meer. In Prambanan ist es noch nasser (auch wenn es das Wort eigentlich nicht gibt). Also im Bushaus geblieben und warten. Die Straße schwimmt, das Wasser ist an der seichtesten Stelle knöcheltief. Wir überlegen, ob es eigentlich jemals besser werden kann. Und ergeben uns irgendwann unserem Schicksal, wir wollen ja schließlich was sehen. Also rein in das Becak, dem Fahrer eine Freude machen und uns die 500m zum Eingang kutschieren lassen. Sonst hätten wir schwimmen müssen. Die Eintrittspreise hier sind gesalzen, aber meine ÖBB Vorteilscard funktioniert auch als Studentenausweis. Hehehehehe. Also Studentenpreis für mich, und ab in die Anlage. Dort schwimmt natürlich alles. Flip Flop sei Dank macht das bei der Wärme nicht sooo viel und wir marschieren / waten durch das Gelände. Und eines bewirkt der asiatische Regen, das man eindeutig als positiv werten kann: Alles Grün leuchtet noch viel intensiver, strahlender, faszinierender. Dann die durch den Regen dunkelgrauen Tempelruinen und DIESES Grün. Unbeschreiblich, daher versuche ich es gar nicht erst, sondern lasse Bilder sprechen:

Die Javanesen, oder: ein erster Rundgang in Yogya.

Für den ersten Tag in Indo hatten wir uns den im LP beschriebenen Rundgang vorgenommen. Es ging also erst mal zur Jalan Malioboro und dann ebendiese entlang. Asiatisches Chaos, kein wirklicher Platz zum gehen, Hektik und doch freundliches Lächeln überall. Und natürlich suchen wir für alle paar Meter einen Transport. Bestenfalls natürlich immer ein Becak. Das war jetzt natürlich ironisch gemeint. Aber bei den vielen „Yes, Sir“ „Transport, Sir!“ – letzteres nicht als Frage formuliert – Rufen ist man am Ende fast geneigt, den Javanesen zu glauben, dass man selbiges unbedingt braucht. Es sei hierbei erwähnt, dass die Indos – nein, sagen wir: die Asiaten generell – ein sehr fußfaules Volk sind. Fünfzig Meter gehen!? Ich hab doch ein Moped! Dass reiche Touris sich zu Fuß durch die Hitze quälen, anstatt in ein klimatisiertes Taxi zu steigen, übersteigt die Vorstellungskraft der Indos. Also lächeln, ein freundliches, aber bestimmtes „No thanks“ und weitergehen. Klappt ganz ok, oder auch nicht. Jedenfalls geht man weiter und kommt dann laut LP zum örtlichen Markt. Hier gibt es ALLES zu kaufen: von Alltagsgegenständen über Gemüse über Sarongs über Gewürze über eventuell medizinisch wirksame…ähm…Dinger bis zu Blumen und Touri-Schnickschnack – mitten im Markt und so weit von allem touristischen entfernt, dass es schon wieder fast exotisch wirkt. Natürlich bist auch du ein Exote auf diesem Markt, wirst neugierig betrachtet, schüchtern angelächelt. Und wir machen unsere erste javanesische Bekanntschaft. Und werden von dieser quer durch den ganzen Markt geführt. Unser neuer Fremdenführer sozusagen. Rätselraten beim Gewürze-Riechen und Sarong-Anprobe inklusive. Wir gehen quer durch den Markt, rauf, runter, links, rechts. Bestimmt eine Stunde treiben wir uns in dem Gebäude herum, sehen das asiatische Leben hinter den Touri-Kulissen. Und sind begeistert. Natürlich steht im Reiseführer, dass hier jeder mit Batik-Erzeugnissen abcashen will. Natürlich sind wir uns auch bei unserem neuen Freund nicht sicher. Natürlich will der eventuell auch eine Provision. Und natürlich bringt er uns zum Abschluss in einen dieser Shops. Aber nur, nachdem er uns vorher gefragt hatte. Wir wollten ja auch etwas sehen, sind ja interessiert an der Batik-Herstellung. In dem Shop finden sich tolle Batik-Gemälde, in unterschiedlichen Farben, mit allen nur denkbaren Motiven, von Taschenbuch-Größe bis Altbau-Wand-hoch. Nur irgendwie billig ist das Ganze halt auch nicht. Daher wieder raus aus dem Shop, keine Provision. Ohne unseren Javanesen hätten wir den Markt nie so erlebt, nie so viel gesehen, daher statt Provision von uns ein kleines Trinkgeld. Dann weiter, den LP Weg entlang, es ist schließlich schon fast Mittag und der Palast macht bald zu. Wir setzen uns kurz auf eine Bank, um zu verschnaufen. Sofort sind wir begehrtes Fotomotiv. Und ein javanesischer Mathe-Lehrer gesellt sich zu uns, mit dem wir die nächsten Minuten verquatschen. Er erklärt uns, wie wir nach Prambanan und Borobodur kommen, schreibt alle Busverbindungen und Umsteigestationen in mein Tagebuch. Außerdem empfiehlt er uns eine Batik-Schule in der Nähe, die nur sonntags offen hat und sehr sehenswert sein soll. Nun gut, zweiter Versuch mit der Batik, wir gehen hin. Paläste gibt es schließlich überall. Wir zweigen also ab, gehen fünfzig Meter und werden von einem Javanesen angesprochen. Wo wir hin wollen, möchte er wissen. Wir natürlich skeptisch „will der uns schon wieder einen Transport andrehen“. Er erklärt aber sofort, dass er kein Guide oder Driver ist und uns auch nichts verkaufen will. Er möchte einfach sein Englisch üben. Er ist gerade auf dem Heimweg von der Arbeit, er arbeitet in der örtlichen Post. Und er wohnt direkt neben der Batik-Schule, kann uns also den Weg zeigen. Ein sehr nettes Gespräch und selbst hätten wir die Schule wohl nicht gefunden. Dort konnten wir einer Schülerin zuschauen und haben erfahren, wie ein Batik-Stück entsteht. Eine schier endlose Arbeit aus Wachs aufkleben, färben, Wachs ablösen, Wachs aufkleben, färben,… Wir wissen jetzt, warum es nicht billig ist. Und haben trotzdem zugeschlagen. Die Gemälde in der Schule sind nach Unterrichtsjahr preislich gerankt, die Kunstwerke der Lehrer am teuersten. Danach brauchen wir eine Stärkung. Wir fragen nach einem guten Restaurant in der Nähe, wollen einen Tipp abseits vom Touristrom. Bingo! Der nette Javanese, der uns die Batik-Kunst erklärt hatte, erklärt uns nun auch den Weg zu einem Restaurant. Wir finden es, und essen eines der besten Essen. Und trinken frischen Saft, Cucumber, jetzt eindeutig top auf meiner Liste. Die Betreiber freuen sich über unseren Besuch und über die mühsamen indonesischen Worte, die ich herausbringe… Nach einer Stärkung machen wir uns auf nach Prambanan. Aber das ist eine andere Geschichte…eine sehr NASSE Geschichte.

Fazit zu den Javanesen: Ein sehr nettes, hilfsbereites, freundliches und offen interessiertes Volk. Wir fühlen uns wohl und herzlich willkommen. 🙂