Für den ersten Tag in Indo hatten wir uns den im LP beschriebenen Rundgang vorgenommen. Es ging also erst mal zur Jalan Malioboro und dann ebendiese entlang. Asiatisches Chaos, kein wirklicher Platz zum gehen, Hektik und doch freundliches Lächeln überall. Und natürlich suchen wir für alle paar Meter einen Transport. Bestenfalls natürlich immer ein Becak. Das war jetzt natürlich ironisch gemeint. Aber bei den vielen „Yes, Sir“ „Transport, Sir!“ – letzteres nicht als Frage formuliert – Rufen ist man am Ende fast geneigt, den Javanesen zu glauben, dass man selbiges unbedingt braucht. Es sei hierbei erwähnt, dass die Indos – nein, sagen wir: die Asiaten generell – ein sehr fußfaules Volk sind. Fünfzig Meter gehen!? Ich hab doch ein Moped! Dass reiche Touris sich zu Fuß durch die Hitze quälen, anstatt in ein klimatisiertes Taxi zu steigen, übersteigt die Vorstellungskraft der Indos. Also lächeln, ein freundliches, aber bestimmtes „No thanks“ und weitergehen. Klappt ganz ok, oder auch nicht. Jedenfalls geht man weiter und kommt dann laut LP zum örtlichen Markt. Hier gibt es ALLES zu kaufen: von Alltagsgegenständen über Gemüse über Sarongs über Gewürze über eventuell medizinisch wirksame…ähm…Dinger bis zu Blumen und Touri-Schnickschnack – mitten im Markt und so weit von allem touristischen entfernt, dass es schon wieder fast exotisch wirkt. Natürlich bist auch du ein Exote auf diesem Markt, wirst neugierig betrachtet, schüchtern angelächelt. Und wir machen unsere erste javanesische Bekanntschaft. Und werden von dieser quer durch den ganzen Markt geführt. Unser neuer Fremdenführer sozusagen. Rätselraten beim Gewürze-Riechen und Sarong-Anprobe inklusive. Wir gehen quer durch den Markt, rauf, runter, links, rechts. Bestimmt eine Stunde treiben wir uns in dem Gebäude herum, sehen das asiatische Leben hinter den Touri-Kulissen. Und sind begeistert. Natürlich steht im Reiseführer, dass hier jeder mit Batik-Erzeugnissen abcashen will. Natürlich sind wir uns auch bei unserem neuen Freund nicht sicher. Natürlich will der eventuell auch eine Provision. Und natürlich bringt er uns zum Abschluss in einen dieser Shops. Aber nur, nachdem er uns vorher gefragt hatte. Wir wollten ja auch etwas sehen, sind ja interessiert an der Batik-Herstellung. In dem Shop finden sich tolle Batik-Gemälde, in unterschiedlichen Farben, mit allen nur denkbaren Motiven, von Taschenbuch-Größe bis Altbau-Wand-hoch. Nur irgendwie billig ist das Ganze halt auch nicht. Daher wieder raus aus dem Shop, keine Provision. Ohne unseren Javanesen hätten wir den Markt nie so erlebt, nie so viel gesehen, daher statt Provision von uns ein kleines Trinkgeld. Dann weiter, den LP Weg entlang, es ist schließlich schon fast Mittag und der Palast macht bald zu. Wir setzen uns kurz auf eine Bank, um zu verschnaufen. Sofort sind wir begehrtes Fotomotiv. Und ein javanesischer Mathe-Lehrer gesellt sich zu uns, mit dem wir die nächsten Minuten verquatschen. Er erklärt uns, wie wir nach Prambanan und Borobodur kommen, schreibt alle Busverbindungen und Umsteigestationen in mein Tagebuch. Außerdem empfiehlt er uns eine Batik-Schule in der Nähe, die nur sonntags offen hat und sehr sehenswert sein soll. Nun gut, zweiter Versuch mit der Batik, wir gehen hin. Paläste gibt es schließlich überall. Wir zweigen also ab, gehen fünfzig Meter und werden von einem Javanesen angesprochen. Wo wir hin wollen, möchte er wissen. Wir natürlich skeptisch „will der uns schon wieder einen Transport andrehen“. Er erklärt aber sofort, dass er kein Guide oder Driver ist und uns auch nichts verkaufen will. Er möchte einfach sein Englisch üben. Er ist gerade auf dem Heimweg von der Arbeit, er arbeitet in der örtlichen Post. Und er wohnt direkt neben der Batik-Schule, kann uns also den Weg zeigen. Ein sehr nettes Gespräch und selbst hätten wir die Schule wohl nicht gefunden. Dort konnten wir einer Schülerin zuschauen und haben erfahren, wie ein Batik-Stück entsteht. Eine schier endlose Arbeit aus Wachs aufkleben, färben, Wachs ablösen, Wachs aufkleben, färben,… Wir wissen jetzt, warum es nicht billig ist. Und haben trotzdem zugeschlagen. Die Gemälde in der Schule sind nach Unterrichtsjahr preislich gerankt, die Kunstwerke der Lehrer am teuersten. Danach brauchen wir eine Stärkung. Wir fragen nach einem guten Restaurant in der Nähe, wollen einen Tipp abseits vom Touristrom. Bingo! Der nette Javanese, der uns die Batik-Kunst erklärt hatte, erklärt uns nun auch den Weg zu einem Restaurant. Wir finden es, und essen eines der besten Essen. Und trinken frischen Saft, Cucumber, jetzt eindeutig top auf meiner Liste. Die Betreiber freuen sich über unseren Besuch und über die mühsamen indonesischen Worte, die ich herausbringe… Nach einer Stärkung machen wir uns auf nach Prambanan. Aber das ist eine andere Geschichte…eine sehr NASSE Geschichte.
Fazit zu den Javanesen: Ein sehr nettes, hilfsbereites, freundliches und offen interessiertes Volk. Wir fühlen uns wohl und herzlich willkommen. 🙂