„Wenn Belize noch zu Guatemala gehoeren wuerde, waere Guatemala landschaftlich DAS perfekte Land.“ (ich zitiere mich hiermit selbst)
Fast ein Monat haben wir jetzt in Guatemala verbracht – und dabei unendlich viel erlebt! Ich denke, mit einzelnen Daten wird das langsam zu muehsam, daher fasse ich ab jetzt immer Orte zusammen…
22.01.2012 Grenzueberquerung Belize – Guatemala
Um euch mal einen Einblick in das Reisen eines low-budget Backpackers zu geben – hier die Beschreibung unserer Fahrt von San Ignacio (Belize) nach Flores (Guatemala): Wir nehmen den ersten Local Bus von San Ignacio nach Benque Viejo del Carmen (und treffen dabei einen 60-jaehrigen Italiener wieder, den wir in Bacalar, Mexiko, kennengelernt hatten). Von Benque an die Grenze gibt es keine Busse, sondern nur Taxis. Es sind ca. 3,5km – die Taxler wollen vollkommen ueberteuerte 5 USD dafuer. Nicht mit uns – wir gehen lieber zu Fuss, auch wenns bergauf/bergab geht und ich insgesamt mit 22kg bepackt bin. Zum Glueck brennt die Sonne noch nicht so, sodass ich es irgendwie grad halt durchstehe 😉 Nach der Grenze gehen von Melchor de Mencos Colectivos (Minibusse) nach Flores. Der Preis betraegt einheitlich (auch fuer Locals!) 6 USD, was wir aber erst danach erfahren. Nachdem wir vorher ueber 4 USD informiert wurden, verhandle ich so lange in einem Spanisch-Englisch-Mischmasch, bis wir nur 5 USD zahlen muessen. 🙂 Die Fahrt geht abwechselnd ueber total neue asphaltierte Strassen und schlimme Schotterpisten. Ziemlich bumpy, aber dafuer waren wir von den vielen gruenen Huegeln gleich mal angetan und beeindruckt! Der Bus ging jedoch nur bis Santa Elena, dem Nachbarort von Flores. Da wir uns wieder kein Tuktuk leisten wollten (haette 1 Euro gekostet), hiess es wieder Rucksack aufschnallen und diesmal ca. 2km laufen – dafuer in PRALLER Sonne. Als wir dann endlich im Hostel waren, haette ich wohl jedes Bett genommen – noch lieber aber eines um 30Q (= 3 Euro). Nachdem wir Hunger hatten, machten wir uns auf Essenssuche und fanden Staende, die Burritos um 5-7Q verkauften – nicht sooo lecker, aber um den Preis darf man nicht jammern 😉
23.01.-24.01. Flores, Guatemala
Am ersten Tag in Flores haben wir uns 2 Sachen vorgenommen: 1) die Grutas (Hoehlen) Aktun-kan anschauen und 2) ein Handy besorgen. Beides war ein Abenteuer fuer sich! Zuerst sind wir zu Fuss zu den Hoehlen, was wieder 3-4km Fussmarsch hiess. Wir waren die einzigen Touris. Wir kommen an und es stehen zwei Militaer-Wagen mit voller Mannschaft davor. War uns zuerst ein bissl unheimlich, v.a. weil alle bewaffnet waren, aber sind dann einfach vorbei und haben die Hoehle besichtigt… Und die war der HAMMER!! Der Aufseher hat uns nur kurz den Eingang gezeigt und dann waren wir uns selbst ueberlassen. Keine Wege, kein Licht, keine Hinweisschilder…ausser Schildern, die bestimmte Steinformationen als „Elefantenfuss“, „Himmelspforte“, „Totenkopf“ oder aehnliches beschrieben… 😉 Die Hoehle war voll mit hunderten glitzernden Stalaktiten und Stalakmiten in allen moeglichen Groessen – einfach nur Wahnsinn!! Wir sind ca. 40min darin herumgewandert, was richtig richtig toll war – aber mir irgendwann auch ein bissl unheimlich, weil ich Angst hatte, dass wir den Ausgang nicht mehr finden (viele Abzweigungen). Auf dem Rueckweg haben wir uns dann lange zu einem Handyshop durchgefragt und es endlich geschafft, ein Handy zu bekommen – inkl. 100 Q Guthaben, inkl. Freischaltung 190Q – yesss! 🙂
Fuer den naechsten Tag hatten wir eines der Highlights geplant – den Besuch von Tikal! Den Ausflug haben wir zusammen mit Toni, Mirco und Knud unternommen – und in so einer Gruppe wars gleich viel lustiger 🙂 Um 5 Uhr hat uns unser Pick-up mit einer halben Stunde Verspaetung (guatemaltekische Zeitrechnung) abgeholt – bis wir dann am Gelaende waren war es mit Fahrzeit und ein paar Verzoegerungen 7 Uhr. Wir sind dann ganze 6 Stunden am weitlaeufigen Gelaende herum gewandert und haben uns (bis auf vielleicht 1-2 Ruinen) wirklich alles angeschaut. War ziemlich anstrengend, aber sehr sehr genial!! So viele alte Ruinen, quer ueber den Dschungel verteilt, unterschiedlich gut erhalten,…auf einige konnte man sogar rauf und die tolle Aussicht geniessen: Dschungel bis zum Horizont!! 🙂
Und in diesem Dschungel leben natuerlich auch Tiere… ein paar davon haben wir auch zu Gesicht bekommen: einen Specht, ein paar kleinere Affen, einen totaaaaal suessen Nasenbaer und noch ein paar unidentifizierbare 😉 Den Bruellaffen haben wir leider nur gehoert, nocht gesehen…
Nach einer kurzen und kurzweiligen (aelteren Deutschen mit gleichem Ziel getroffen) Busfahrt von nur ca 2h sind wir in Poptun angekommen. Der Bus war klapprig, aber halbleer und die Strasse wieder in super Zustand. Eigentlich sind wir gar nicht direkt in Poptun, sondern etwas ausserhalb auf der Finca Ixobel. Und hier ist es einfach toll!! Magisch ist wahrscheinlich der richtige Ausdruck. Es ist total friedlich, ruhig, mitten im Gruenen, viele kleine Haeuschen am Grundstueck verteilt, idyllischer Badeteich, tolle Touren im Angebot, grosse Book Exchange (wird wichtig, wenn man laenger reist), leckeres Essen,… hab mich dort so richtig wohl gefuehlt!
26.01.-27.01.2012 Poptun / Finca Ixobel
Am 26.01. haben wir gleich eine kleine Wanderung auf einen pyramidenartigen Huegel neben der Finca unternommen. Leider bekamen wir nicht die tolle Aussicht zu sehen, die wir erwarteten, weil der Huegel ziemlich verwachsen ist. Die Wanderung war auch eher eine Kletterpartie, da der Weg einfach ziemlich schnurgerade auf die Pyramide fuehrt.
Danach haben wir uns kurz im Badesee erfrischt, bevor es fuer mich zu einem 2h-Ausritt ging. Der Ausritt war ziemlich genial: Zuerst durch duenne Nadelwald, dann ueber Felder, viel durch den Gatsch, auf einen kleinen Huegel etc. v.a. das Galoppieren war wieder mal suuuuper! Leider waren die Saettel aus Holz, sodass mein Hintern danach ordentlich weh tat 😉
Fuer den naechsten Tag hatten wir eine Tour zur/in die Cueva del Rio gebucht. Wir – das waren in dem Fall die halbe Finca-Mannschafft: Darja (Slowenin, die dort arbeitet), Jackie (Kanadierin), Giovanni (Italien), Nam (USA/Vietnam), Simon und ich. Mir hat die Tour leider aus verschiedenen Gruenden nicht so gefallen: Durch den starken Regen in der Nacht wurde die 2h-Wanderung zur Hoehle (und zurueck) zu einer einzigen Schlammschlacht, wo wir oft knoecheltief versunken sind. Ausserdem hat der Guide ein Hammertempo vorgegeben – als ob er das Ganze nur „abhaken“ wollte. Wir sind durch wunderschoene Natur, aber zum Geniessen, in Ruhe schauen, beoachten etc. war keine Zeit. Fand ich gar nicht toll. Mann, ich bin doch nicht hier, um Sport zu machen, sondern um das Land zu SEHEN! Die Hoehle selbst war dann allerdings ziemlich genial. Wir sind die meiste Zeit geschwommen oder gewatet, da (wie der Name schon sagt) ein Fluss durch die Hoehle fliesst.
28.01.2012 Poptun – Rio Dulce – Livingston
Eigentlich wollten wir von Poptun ueber Fray Bartolome de las Casas nach Coban bzw. in die Gegend. Doch meistens kommt es anders, als man denkt… Jedenfalls sind wir in der Frueh vor an die Strasse, um einen Bus aufzuhalten. Nachdem ewig keiner kam, kamen dafuer 2 Franzosen mit einem uralten roten VW Kaefer! Celine hat das Auto in Tulum gekauft und ist momentan mit Antoine unterwegs. Die beiden wollten uns bis nach Modesto (Abzweigung nach Fray) mitnehmen – doch… auf einmal kamen vom Auto seltsame Geraeusche und wir mussten in eine Werkstatt.
Nachdem es mit den beiden echt lustig war, sind wir geblieben und dann mit ihnen weiter nach Rio Dulce – bis Fray haetten wir es in Bussen eh nicht mehr geschafft an dem Tag und uspruenglich hatte ich eh immer vor, nach Rio Dulce bzw Livingston zu fahren… War dann allerdings noch sehr stressig, das letzte Boot um 16 Uhr von Rio Dulce nach Livingston zu erwischen; Bootsstation finden, Parkmoeglichkeit suchen, Tickets kaufen, einkaufen,…auf das Boot springen! 😉 Livingston ist eine „Bezirkshauptstadt“, die ausschliesslich mit dem Boot erreichbar ist und wo hauptsaechlich Garifuna (siehe Belize) leben. Auf der Fahrt haben wir dann schon ein bissl Rum-Orange getrunken und es war recht lustig 😉 Die Fahrt insgesamt war schon auch recht schoen – allerdings sooo empfehlenswert und ueberragend (im Gegensatz zu anderen Fluss/Dschungelbootsfahrten) fand ich es dann wirklich nicht…
29.01.2012 Livingston
Gleich mal vorweg: Livingston ist eeeecht keine Schoenheit! Wir haben uns die Stadt ein bissl angeschaut und sind dann zu den Siete Altares spaziert. Das sind natuerliche Wasserbecken, die nach einem Wasserfall entstanden sind. Diese selbst waren auch wirklich schoen – allerdings hatten wir Wetterpech und mit grauen Wolken leuchtet das Wasser nicht ganz so blau…
Der Weg dorthin war allerdings wirklich lang, langweilig und vor allem: sehr sehr dreckig!!!
Haben sogar einen toten Hund gesehen, der schon ganz weiss und aufgedunsen war und einfach am Strand langsam verrottete… 😦 Grausig. In dem Dreck dann mit Flip Flops unterwegs sein war nicht so toll – ausserdem mussten wir zwischendurch immer wieder durch die braune Bruehe (= Meer) waten, das einfach nur dunkel und total verdreckt war und wo man nicht wusste / nicht wissen wollte wo man hinsteigt… Nein also…gibt echt schoenere Wanderungen! Zurueck sind wir eine Strasse entlang, was auf jeden Fall besser war. Da es in Livingston nicht viel zu sehen gibt, das Wetter nicht auf unserer Seite war und es uns somit echt nicht besonders gefiel…ging es am naechsten Tag weiter!
30.01.2012 Livingston – Puerto Barrios – Rio Dulce – Coban
Klingt lang, war es auch. Um 5 Uhr sind wir aufgestanden und die (viel!!) guenstigere Variante von Livingston ueber Puerto Barrios (Boot) und dann mit dem Bus weiter nach Rio Dulce gefahren. Von Rio Dulce aus ging es mit dem Kaefer von Celine weiter nach Coban – zuerst eine Autobahn-aehnliche Strecke, dann wurde es immer kuehler und es ging kurvig in die Berge hoch – die Strasse war dann nicht mehr die allerbeste. In Coban sind wir kaputt angekommen und haben nur noch schnell eine Tour nach Semuc Champey und Lanquin fuer den naechsten Tag gebucht… 
31.01.-01.02.2012 Coban / Semuc Champey / Lanquin
Um 6 Uhr ging es los: Kurz zum Fruehstueck und dann nach SEmuc Champey – und WOW: Ab Lanquin war die Strasse echt mega-mega-schlecht!! Gut, dass wir das nicht mit dem VW probiert haben… 😉 In Semuc gibt es eine Art Rundweg, der zuerst zu einem Mirador fuehrt, wo man eine super Aussicht auf die wunderschoenen Naturpools (viel schoener natuerlich als Siete Altares!!!) hatte und das beruehmte Postkarten-Foto selbst schiessen konnte 🙂
Danach haben wir uns einen Teil des Cahabon Rio angeschaut, der tosend in einer Hoehle verschwindet und erst hunderte Meter weiter unten wieder auftaucht. Auf der Strecke dazwischen verlaeuft er komplett unterirdisch – oben sieht man dafuer eben die tuerkisen Naturpools. Dort waren wir am Ende dann und haben trotz kuehlem, regnerischem Wetter gebadet und die Pools genossen – wirklich ein schoenes Erlebnis!! Am Abend sassen wir dann alle zusammen (eine Gruppe Israelis, ein Kiwi, Celine und wir) und haben Karten gespielt – was dann irgendwann unweigerlich zu Trinkspielen umgeschwankt ist 😉 War eine super lustige Runde – auch wenn mein Kopf am naechsten Tag ein bissl gezickt hat 😉
Am naechsten Tag hatten wir ein bissl Zeit zum Relaxen (und Ausnuechtern 😉 ), bevor wir wieder abgeholt und zu den Hoehlen von Lanquin gebracht wurden. Leider hatten wir nicht wirklich viel Zeit dort drinnen und haben auch nicht die komplette Hoehle gesehen (war anscheinend zu rutschig) – also Aktun-kan hat mir eindeutig besser gefallen!
Beim Rausgehen haben wir dann lustigerweise einen Ami und einen Iren wieder getroffen, mit denen wir in Tulum in der Casa del Sol Party gemacht hatten! So klein ist die Reise-Welt 🙂
In Coban hatten wir leider eine unschoene Diskussion mit Celine, die auf einmal viel zu viel Benzingeld von uns haben wollte. Obwohl wir nicht mit ihr weiterfahren wollten und der Tank noch min. halb voll war, sollten wir komplett dafuer bezahlen. Sind ihr dann total entgegen gekommen – aber sie hat nichts mehr mit uns geredet und sich nicht mal mehr verabschiedet… tja, auch so koennen Reisebekanntschaften leider enden!
02.02.2012 Coban – Nebaj
Mit verschiedenen Colectivos ging es von Coban nach Nebaj – ueber die schlechtesten Strassen, die ich jemals gesehen habe! Teilweise echt abenteuerlich – und so wie manche Fahrer hier fahren… Ein Teil der normalen Strasse ist naemlich seit einem Erdrutsch vor ca 2 Jahren nicht mehr passierbar – es gibt eine Alternativroute, aber die ist mehr als abenteuerlich! Solche durchgehenden Minibusfahrten sind nicht so toll…irgendwann hat man so Durst, kann aber nichts mehr trinken, weil man schon seit 2h aufs WC muesste – und bekommt dann richtig Kopfweh, weil man viel zu wenig getrunken hat…… So interessant und landschaftlich schoen die Fahrt auch war, war ich dann sehr froh, angekommen zu sein! Wir haben viele sehr nette Guatemalteken kennengelernt und den Weltrekordversuch von „wie viele Leute passen in einen Minibus“ miterlebt 😉 Als ich dann mal ganz dringend aufs WC musste, hat der ganze Bus auf mich gewartet und alle haben mich interessiert angestarrt…hihi
So, das war’s fuer’s Erste! Teil 2 und Teil 3 von Guatemala folgen demnaechst… 🙂
