Ein langer Tag neigt sich dem Ende zu… Wir sitzen gerade in unserem Hostel und genießen den Blick auf den rauchenden Bromo und den schnuckeligen Batok. Hier oben ist es in der Nacht ganz schön frisch – heute Nacht gibt es wohl Strumpfhose unter der kurzen Pyjamahose. Und Ohrstöpsel, die Entdeckung dieses Urlaubs! V.a. wegen der netten Tierchen vor unserem Fenster, nein, diesmal ausnahmsweise keine Vögel. Zwei junge Kätzchen, die so laut und penetrant miauen, wie ich es noch nie erlebt habe. Nonstop. Hoffentlich schlafen die auch mal.
Also wie gesagt, Tagwache: 2.45 Uhr, Start: 3.00 Uhr Richtung Penanjakan View Point, dort wo die meisten anderen Touris sich mit den Jeeps zu hunderten hinkarren lassen. Den Weg haben wir uns am Vorabend noch kurz erklären lassen. War im Dunkeln dann doch nicht ganz einfach zu finden und wir waren eine Zeit lang nicht sicher, ob wir überhaupt richtig sind. Angefangen hat es mit einer asphaltierten Straße, wurde aber immer steiler und verwachsener. Es waren zwar noch andere Gruppen unterwegs, aber nicht viele. Der Weg an sich war nicht schwierig, nur teilweise ein wenig lehmig-rutschig. Aber halt schwer zu finden. Haben es aber Dank Papas Scheinwerfer-Stirnlampe geschafft. Am Anfang hatten wir den tollsten Sternenhimmel, den ich jemals gesehen habe. Ich habe noch nie SO viele Sterne auf einmal gesehen! Der Himmel sah richtig zerlöchert aus – wunderschön… 🙂 Dazu kamen noch viele Sternschnuppen – richtig kitschig fast. Am View Point oben angekommen ist man dann weiß Gott nicht alleine: ca. 200 Menschen, mit Kameras positioniert, 99% mit Jeeps heraufgekarrt. Insgesamt ist es eine tolle Wanderung und man fühlt sich echt besser, wenn man weiß, dass man es selbst geschafft hat! Die 2h Dauer sind allerdings schon eng berechnet, der Sonnenaufgang um 5.15 Uhr geht dann nämlich wirklich schnell – und den will man ja nicht versäumen. Unterwegs hat man leider wenig Gefühl/Orientierung, wie weit es noch ist. Oben angekommen wie gesagt erst mal schockiert von den Menschenmassen. Haben dann ein ruhigeres Plätzchen unterhalb der Hauptterrasse gefunden. Zuerst haben wir nur den mächtigen Gunung Semeru im Hintergrund registriert. Auf einmal dann den Blick gesenkt und die gesamte absolut geniale, wunderschöne, surreale Szenarie erblickt. Im Vordergrund der Bilderbuch-Vulkan Gunung Batok, der mit seinen Vulkan-Rinnen so richtig fotogen in die Kamera lächelt. Er schimmert in verschiedenen Tönen aus grün, braun, rot, gelb,… Daneben der Vulkan – oder besser: das Vulkan-chen Bromo, der neben den anderen ein kleiner Zwerg ist. Dafür aber permanent dichte Rauchwolken ausstößt – teilweise so dicht, dass er ganz davon eingehüllt ist. Daneben/dahinter verstecken sich noch die eher unscheinbaren Kursi und Widodaren. Diese Vulkane befinden sich in einer weiten, weiten, wunderschönen, in braun-grau-grün-Tönen leuchtenden Caldera. Und im Hintergrund wie gesagt der Gunung Semeru, der ca. alle 20min ein süßes Rauchwölkchen pufft. Einfach malerisch-surreal-schön!!!
Zurück sind wir dann die Jeep-Straße entlang. Ok, zuerst das Positive: Wir hatten teilweise tolle Aussichten über die Gegend und konnten auch noch den einen oder anderen Gupf besteigen. Wir waren die einzigen Wanderer und hatten die Landschaft Großteils für uns. Ok, jetzt das weniger Tolle: Die Straße macht einen riesigen Bogen bevor sie in die Caldera führt. Abkürzung konnten wir keine finden, daher mussten wir alles aus-HATSCHEN. Hmmm. War echt weit und halt auf der Straße und am Schluss so steil, dass es richtig anstrengend war. Ich war dann einfach nur mehr froh, als wir die Caldera erreicht hatten. Dort war es dann zwar auch noch viel weiter, als es aussah, aber deutlich angenehmer zu gehen: Dunkler Vulkansand und eben EBEN. Permanent sind Einheimische vorbeigedüst (in Pickups, auf Mopeds,…), die gar nicht glauben konnten, dass sich den Weg jemand zu Fuß antut, wenn doch auch Jeeps zur Verfügung stehen. Asiatische Fußfaulheit eben… wahrscheinlich gibt es deshalb trotz genialer Landschaft noch so gut wie keine Fußwege. Lustig finde ich auch, dass bei Fußwegen immer gleich Stufen gebaut werden, die ja eigentlich viel anstrengender zu gehen sind. In der Caldera sind aber netterweise ein paar Meter for free mitgenommen worden. 99% des Weges sind wir aber zu Fuß und das war ganz schön anstrengend, aber auch total toll und atemberaubend. Am Bromo erst einmal nur vorbei und nach Cemoro Lawang.
Nach Frühstück, Haare-mit-Eiswasser-waschen und kurzem Schläfchen sind wir ein bisschen durch den kleinen Ort spaziert und haben vergebens versucht, irgendwo Infos zu anderen Wanderwegen zu bekommen bzw. dazu, ob Gunung Batok zu besteigen ist, oder nicht, bzw. falls ja: wie und wo. Jeder schlagt nur die Jeep-Tour vor. Das Konzept vom Wandern ist hier noch nicht angekommen. Also erst einmal Bromo zum Sonnenaufgang geplant, for the rest, we’ll see…