In den letzten Wochen bin ich gefühlt zweimal um die Welt geflogen. Quasi. Wien-Taipei-Jakarta-Yogyakarta. Denpasar-Jakarta-Taipei-Wien. Fragt mich nicht, wie viele Stunden – auf jeden Fall über 20. Ein eigenartiges Gefühl, mehr als einen Tag am Stück irgendwo am Flughafen, auf dem Weg zum Flughafen oder im Flugzeug selbst zu verbringen. Und irgendwann nervt es einfach nur noch. Man will einfach ankommen, fragt sich, warum man sich das alles antut. 2 Wochen Urlaub und dann verbringst du 3 Tage damit, zum Urlaubsort und wieder zurück zu kommen. Aber man muss wohl alles einmal gemacht haben. Also hier meine Learnings daraus:
1) 3 Flüge hintereinander SIND anstrengend.
2) Flughäfen haben grundsätzlich entweder a) gar keine Sitze im Wartebereich (Alternative: kalter, harter Steinboden) oder b) zu wenig Sitze im Wartebereich (Alternative siehe a) oder ausgestreckt liegend schlafende Asiaten aufwecken und „sanft verdrängen“) oder c) die unbequemsten Sitze, die es wohl irgendwo im Abverkauf gab (Alternative: keine – go with it, auch wenn dir nachher jeder einzelne Knochen weh tut. Und vergiss, mit deinen Jacken, Nackenrolle etc. ein einigermaßen passables Kissen zu basteln. Es klappt nicht oder maximal für eine halbe Stunde.)
3) Ich hasse Warten. Es gibt doch echt nichts Schlimmeres, als einfach nur da zu sitzen, und zu warten. Vergiss das mich dem guten Buch. ICH habe noch kein Buch gefunden, dass ich länger als eine Stunde nonstop lesen konnte. Man braucht ja schließlich Abwechslung. Dann wäre da noch dein MP3 Player. Davon abgesehen, dass Akkus leider erschöpflich sind, höre ich Musik meistens WÄHREND etwas anderem. Dasitzen, Löcher in die Luft starren und nur Musik hören ist vielleicht für manche Menschen toll. Ich schaffe es maximal eine halbe Stunde – woran auch 2) Schuld trägt: Im Stehen, auf dem Boden oder einem harten Sessel relaxt es sich meiner Meinung nach nicht so toll. Dann gibt es noch die Restis und Duty Free Shops, was mich zu 4) bringt:
4) Transfer-Bereiche sind Abzocke-Bereiche ohne vernünftige Auswahl. Das Konzept bzw. die Begeisterung für Duty Free Shopping habe ich nie verstanden. Ok, wenn du heimfliegst, ist es eine gute Option nochmal deine letzten Scheine in der Landeswährung zu verprassen. Oder auch nicht, wenn du schockiert feststellst, dass die Preissteigerung im Verhältnis zu „Shops außerhalb der Flughafen-Grenzen“ nicht etwa 50% beträgt, sondern eher mal gleich eine Null angehängt wird. Beim ersten Preisschild denkst du noch an einen Druckfehler, denkst, du hast nicht richtig gelesen. Also KEIN Duty Free Shopping für mich. Kommen wir zu den Restis. Wenn du wartest, bekommst du zwangsläufig irgendwann Hunger oder Durst. Und die Flüssigkeiten-Handgepäcks-Regelung zwingt dich dazu, deine volle Wasserflasche neben dem netten Herrn am Scanner in einer schwarzen Tonne zu versenken. Das bedeutet natürlich eine tolle Option zur Gewinnsteigerung aller hinter dem Scanner liegenden Shops. Also denkst du dir vielleicht: 2€ für eine 0,5l Flasche Wasser? Die spare ich mir, im Flugpreis sind schließlich Essen und Getränke all in und die zwei Stunden hältst du noch mit trockenem Mund aus. Ich verweise hiermit auf Learning 5). Kommen wir zum Essen. Viele Menschen vertreiben sich Wartezeiten gut und gerne mit Essen, auch wenn sie eigentlich gar keinen Hunger haben. Dazu zähle auch ich. Was also bieten die kleinen Restis vor dem Gate dem Wartenden? Ich mache es kurz: Der ultimative Preisschock lässt auch hier nicht auf sich warten. Man könnte es durchaus als Duty Free-Steuer bezeichnen, oder so. Punkt zwei: Ich habe selten so schlecht gegessen, wie auf Flughäfen, insbesondere in Asien. Du kaufst dir halt „irgendwas“, weil du hast ja Hunger (oder auch nicht) – jedenfalls WILLST du etwas. Die Auswahl beschränkt sich meistens auf teure internationale Snacks, teure lokale Snacks und die üblichen verdächtigen Fast Food Ketten. Also reduzierst du deinen Warte-Hunger und sagst dir: Im Flieger gibt es eh gleich was. Ja, denkst du. Ich verweise wieder auf Learning 5). Nachdem du alle Warteoptionen durch hast, kommst du irgendwann zur Realisierung, dass es einfach langweilig IST. Interessanterweise ist das der Punkt, ab dem es einfacher wird.
5) Steige in kein Flugzeug ohne deinen eigenen Proviant und ausreichend Getränke. Ich bin dieses Jahr viel geflogen, insgesamt mit etwa acht verschiedenen Airlines. In dem Fall beziehe ich mich vor allem auf China Airlines, aber auch auf jegliche weltweite Billigairline, wobei du bei letzterer ja schon vorweg schlechten Service erwartest. KEINE Getränke während eines zweistündigen Fluges finde ich trotzdem ziemlich menschenunwürdig. Du kannst doch nicht 4 Stunden lang nichts trinken (Wartezeiten vorher und nachher eingerechnet). Oder du unterstützt die Airport-Shop-Mafia und genehmigst dir einen 0,5l Eistee um 4€. Deine Wahl. Auch war mir bisher das Konzept der Selbstbedienung im Flieger nicht bekannt. Ist auch deutlich einfacher, eine Kanne Wasser in der Küche abzustellen und die durstenden Gäste NICHT über deren Existenz zu informieren, als einmal pro Stunde eine Stewardess mit ein paar Stamperln Wasser durchzuschicken. Als Gläser oder gar ausreichendes Getränk kann man die halbvollen mini-Papp-Becher weiß Gott nicht bezeichnen. Und eines sei noch erwähnt: Ich trinke viel zu wenig. Immer. Ich bin kein Mensch, der ständig etwas zu trinken braucht und auf die minimalen zwei Liter am Tag kommt. Kommen wir wieder zum Essen, deinem nächsten dringenden Bedürfnis, nachdem du dir die Restis im Transferbereich gespart hast und/oder deine exklusive Mc Donald’s Pommes Portion schon verdaut ist. Ich hatte in Erinnerung, dass Essen meistens sofort serviert wird, nachdem der Flieger die ideale Flughöhe erreicht hat. Mhm, nicht so bei China Airlines. Und das ist der Punkt, an dem das Warten noch unangenehmer wird und du dich nach drei Stunden fragst, ob das tiefe Grummeln nun von einem Flugzeugschaden rührt, oder doch auf deinen empörten Magen deutet. Snack zwischendurch? Genauso Fehlanzeige, wie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Als Vegetarier bekommst du immerhin eine halbe Stunde vor dem Passagier-Rest dein Essen. Ob es geschmeckt hat, kann ich nicht mehr neutral beurteilen. Ab einem gewissen Punkt schmeckt dir ALLES.
6) Flughäfen und Flugzeuge haben grundsätzlich eine unangenehme Temperatur. Entweder du frierst, ziehst dir alles an, was du mithast, frierst noch immer. Oder du schwitzt, sitzt im Shirt da, Hose kannst du nicht mehr wechseln, weil deine kurze im Fluggepäck ist. Also schwitzt du halt einfach. Und das betrifft sowohl Wartebereich, als auch das Flugzeug selbst. Wobei ich Schwitzen immer noch bevorzuge, wenn du frierst, wartet es sich nämlich noch langsamer. Natürlich trifft das Frieren vor allem auf asiatische Flughäfen und –zeuge zu. Auch das Schwitzen. Am meisten gefroren habe ich allerdings bei meinem easyjet-Flug nach London, also kein rein-asiatisches Phänomen. Der Schichten-Look gewinnt hier, wobei irgendwo immer ein Ende ist. Du schleppst ja nicht deine Winterjacke und deinen Rolli mit in deinen Indonesien-Urlaub. Und du bist auch nicht verrückt genug, mit Flip Flops und kurzer Hose in den europäischen Winter zurückzufliegen. Also erträgst du einfach und versuchst dich, quasi Chamäleon-like, deiner Umgebungstemperatur anzupassen.
Irgendwann, nachdem du gewartet, gefroren, gehungert hast, du halb verdurstet bist und du dir auf der Stelle eine asiatische Massage wünscht, bist du dann da. Angekommen in Indonesien oder halt irgendwo anders auf dem Globus. Du steigst aus, und fühlst: DAS WAR’S WERT.






